Station 9

„Glück Auf“

Die Vergangenheit hat eine lange Zukunft

Willkommen auf dem Industriepfad

Sie stehen an Station 9 “Die Kokereides vom Förderverein Haus der Geschichte – Ilseder Hütte e.V. in den Jahren 2004 – 2006 geschaffenen Industriepfades. Der Industriepfad informiert Sie auf 25 Stationen auf dem Gelände der Ilseder Hütte AG, die hier in den Jahren 1860 – 1983 ein Hochofenwerk mit verschiedenen Nebenbetrieben unterhielt. Der Hochofenbetrieb wurde 1983 und die Kokerei und die Energiebetriebe als letzte der Nebenbetriebe 1995 (Werksschließung) eingestellt. An der Station 0 erhalten Sie einen Überblick über den Industriepfad mit sämtlichen Stationen.

Bei Gründung der Ilseder Hütte im Jahre 1858 gab es in dieser Region keinerlei Energieversorgung. Die Kohlevorräte waren in diesem Raum nicht vorhanden. Zur Erschmelzung der Eisenerze im Hochofen wird jedoch Koks benötigt – zur Erschmelzung von 1 t Roheisen waren damals 1,2 t Koks erforderlich. Außerdem benötigte man für die Energiegewinnung (Dampferzeugung) Kohle. Der gesamte Kohle- und Koksbedarf kam aus dem „Westen“ des Reiches. Die Transportkosten waren sehr hoch, und der Koks wurde durch mehrfaches Umladen geschädigt. Die Abhängigkeit von der Kokslieferung und der Transport waren unbefriedigend und wirkten sich auf den Produktionsfluss und die Kosten zur Roheisenerzeugung der Ilseder Hütte nachteilig aus. Die Geschäftsleitung der Ilseder Hütte entschloss sich daher schon 1870 zum Bau einer eigenen Kokerei.

Mit dem Bau der Kokerei hatte die Ilseder Hütte einen entscheidenden Schritt zur Betriebssicherheit und eigenen Energieversorgung getan. Bei steigender Roheisenproduktion wurde auch jeweils die eigene Kokereikapazität ausgebaut. Die letzte leistungsfähige Kokerei der Ilseder Hütte mit 79 Koksöfen wurde 1930 gebaut, 1951 erweitert und laufend modernisiert.

Verfahrensablauf:

1.800 t Kokskohle wurden täglich in Großraumwagen per Bahn auf den Kohlebunker gefahren und entladen. Von hier aus kam die Kohle in den „Tagesbunker“. Der Kohlefüllwagen zog aus 4 Bunkertaschen eine Kohlemenge von 18 t ab und befüllte damit über sogenannte Fülllöcher jeweils eine Ofenkammer. Die Planiervorrichtung der Druckmaschine ebnete die Kohle innerhalb der Kammer auf ein Niveau und schaffte damit auch den Gassammelraum für den Verkokungsprozess.

Unter Luftabschluss wird die Kohle innerhalb von ca. 20 Stunden „verkokt“. Die dazu erforderliche Wärme von 1.160 ºC wird über die angrenzenden Heizwände, die als Trennwände zwischen den einzelnen Ofenkammern angeordnet sind, erzeugt. Bei dem Verkokungsprozess entweichen die „flüchtigen“ Bestandteile aus der Kohle, die über eine Gasvorlage abgesaugt werden. In der nachgeschalteten „Kohlenwertstoffanlage“ (Nebengewinnung) wird das Rohgas in getrennten Verfahren gereinigt. Teer, Schwefel, Ammoniak und Benzol werden als Nebenprodukte gewonnen. Das gereinigte Koksgas, mit einem Heizwert von 5.000 kcal/Nm³ ist ein begehrter Energieträger.

Nachdem der Koks durchgegart ist, wird die jeweilige Ofenkammer von der Gasvorlage getrennt und die Türen an den Kopfenden der Kammer geöffnet. Die Druckmaschine schiebt über die Druckstange mit dem Druckkopf, der das gesamte Profil der Ofenkammer ausfüllt, den glühenden Koks (Kokskuchen) durch den Kokskuchenführungswagen auf den Löschwagen. Der Vorgang dauert nur 45 Sekunden 13,5 t Koks, mit einer Temperatur von 1.100 ºC fährt der Löschwagen unter den Löschturm. 28 m³ Löschwasser ergießen sich über 5 Löschdüsen in nur 2 min. auf den glühenden Koks. Nach ca. 10 min. ist der Koks abgelöscht und weitgehend ausgedampft, der Wagen bringt den „fertigen Brand“ an die Koksrampe und entlädt die Fracht. Der Hochofenbetrieb ruft die jeweils benötigte Koksmenge ab.

Zwischenzeitlich wurde die Ofenkammer nach einer Reinigung der Türdichtflächen wieder verschlossen und neu befüllt – der Vorgang beginnt von neuem. Die einzelnen Öfen werden in einem bestimmten Rhythmus „bedient“.

Betriebsdaten:

79 Koksöfen (Koksofenkammern)

Größe jedes Ofens:

13,68 m lang

4,1 m hoch

0,42-0,48 m breit

Spezifische Ofenleistung je Ofen:

18 t Kohle wurden in 20 Std. zu 13,5 t Koks verarbeitet

Gesamte Tagesleistung der Anlage:

(Kokserzeugung) 1.300 t Koks

Kokerei um 1924. Links ist der Gasometer zu erkennen

Neubau der Kokerei um 1930, nach der Erweiterung 1951 stehen 2 Batterien mit insgesamt 79 Ofenkammern zur Verfügung

Der Meistergang mit den Umstelleinrichtungen

Auf der Ofendecke sind die Fülllöcher und die Gasvorlage rechts zuerkennen. Im Hintergrund läuft der Füllwagen.

Ein Blick in die Ofenkammer mit dem durchgegarten Koks.

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Fertige Koksbrocken