Station 6

„Glück Auf“

Die Vergangenheit hat eine lange Zukunft

Willkommen auf dem Industriepfad

Sie stehen an Station 6 Exponate eines Hochofenbetriebesdes vom Förderverein Haus der Geschichte – Ilseder Hütte e.V. in den Jahren 2004 – 2006 geschaffenen Industriepfades. Der Industriepfad informiert Sie auf 25 Stationen auf dem Gelände der Ilseder Hütte AG, die hier in den Jahren 1860 – 1983 ein Hochofenwerk mit verschiedenen Nebenbetrieben unterhielt. Der Hochofenbetrieb wurde 1983 und die Kokerei und die Energiebetriebe als letzte der Nebenbetriebe 1995 (Werksschließung) eingestellt. An der Station 0 erhalten Sie einen Überblick über den Industriepfad mit sämtlichen Stationen.

Zur Veranschaulichung der Größe eines Hochofens markieren hier Steine den Durchmesser des ehemaligen Hochofens 5 (8,6 m Gestelldurchmesser).

Reststücke des Stahlpanzers eines Hochofens zeigen die Anordnung von Blas- und Kühlelementen. In der Mitte „des Hochofens“ liegt der Schutzmantel einer Begichtungsglocke. Einzelne Rohrkrümmer (2) und ein Kompensator (1) liegen neben der Kühl- und Blasform (5 + 4). Durch diese Teile wurde der „Heißwind“ in den Ofen „geblasen“. Dabei waren die Kupferelemente mit Kühlwasser durchflossen und die übrigen Teile „feuerfest“ ausgemauert Die Kühlkästen, die ebenfalls von Kühlwasser durchflossen, waren am Stahlpanzer befestigt. Sie ragten in die Ofenausmauerdung hinein und verringerten durch die Wärmeableitung den Verschleiß.

Die schwere Maschine „vor dem Ofen“ ist die Stichlochstopfmaschine (8), mit der nach dem „Abstich“ des Roheisens „in vollem Lauf“ das Abstichloch mit einer speziellen Masse verschlossen wurde.

Ein paar Meter weiter steht der sogenannte Fuchs (9). Hierin wurde durch das unterschiedliche spezifische Gewicht die aufschwimmende Schlacke vom Roheisen getrennt.

 

Heißwindarmaturen

Zur Erschmelzung des Möllers zu Roheisen wurde 1.100ºC heißer Wind in den Hochofen geblasen, der über den Koks im Hochofen die erforderliche Schmelztemperatur von 2.200ºC in der sogenannten Reduktionszone erzeugte. Der Heißwind wurde über eine um den Hochofen verlaufende, feuerfest ausgemauerte Leitung den einzelnen Blasformen zugeführt. Der Hochofen 5 in Ilsede hatte insgesamt 24 Blasformen. Einige Armaturen der einzelnen Heißwindanschlüsse sind hier zu sehen (1 – 5):

 

1. Kompensator

Ausgleichsstück für die thermisch bedingte Längenausdehnung unter der Heißwind-
 Ringleistung, feuerfest ausgemauert.

 

2. Krümmer

Verbindungsstück zwischen dem Kompensator und der waagerecht angeordneten Blasform, feuerfest ausgemauert.

 

3. Düsenspitze

Endrohr mit Paßsitz zur Blasform, feuerfest ausgemauert. Über dieses Rohrstück können dem Hochofenprozess auch verschiedene Zusatzmedien (Öl, Sauerstoff) durch spezielle Lanzen zugeführt werden.

 

4. Blasform

Material: Reinstkupfer, mit Kühlwasser beaufschlagt. Die Blasform leitet den 1.100 ºC heißen Wind direkt in den Ofenrau

 

5. Kühlform- oder Windform-Kühlring

Material: Kupfer, mit Kühlwasser beaufschlagt. Dieses Kühlelement „sitzt“ im Stahlpanzer und nimmt passgenau die jeweilige Blasform auf.

 

6. Hochofenpanzer (Segmentteile)

Der Hochofenpanzer ist als konischer Stahlmantel (30 bis 40 mm dick) in geschlossener Schweißkonstruktion gefertigt. Die unterschiedlich geformten Segmente des ca. 30 m hohen und mit 8.6 m Durchmesser gebauten Körpers führen innen das feuerfeste Mauerwerk. Zum Schutz des Mauerwerkes gegen die hohen Temperaturen im Hochofen sind in bestimmten Abständen Kühlkästen angeordnet. In der sogenannten Blasformebene sind die passgenauen, konischen Öffnungen zur Aufnahme der Kühlformen zu finden.

 

7. Kühlkästen

(in Kupfer- oder Stahlausführung mit Kühlwasser beaufschlagt)

Diese Bauteile sind mit dem Hochofenpanzer verschraubt und zur Kühlung zwischen die einzelnen Lagen des feuerfesten Mauerwerkes eingebaut.

 

8. Stichlokchstopfmaschine

Mit dieser Maschine wird nach Beendigung des Roheisenabstiches das Stichloch wieder geschlossen. Dabei schwenkt die Maschine über die „Abstichrinne“ gegen den Ofenpanzer und presst eine Spezialmasse in das Stichloch.

Die Maschine verbleibt bis zur Aushärtung der Masse ca. 30 Minuten in ihrer Position.

 

9. Fuchs (oder Fuchskasten)

Über die Abstichrinne durchfließt das flüssige Roheisen den „Fuchs“. Durch das unterschiedliche spezifische Gewicht wird die auf dem Roheisen aufschwimmende Restschlacke vom Roheisen getrennt und auf höherliegendem Abflussniveau im „Fuchs“ abgeleitet.

 

10. Verschleißkonus zur Gichtglocke

Über die Begichtungsglocke werden der Möller und der Koks lagenweise in den Hochofen „gegichtet“. Gegen den damit verbundenen Verschließ war auf der Gichtglocke ein konischer Verschließschutz angebracht, der bei entsprechender Abnutzung ausgewechselt wurde.

 

11. Kohlenstoffstein

Mit diesem hochhitzebeständigen Material ist der untere Bereich eines Hochofens bis in die Blasformebene ausgekleidet.

 

Um 1940: Der Schmelzer mit seinem modernen Arbeitsgerät, der Stichlochstopfmaschine, siehe Nr. 8

Das Roheisenabstichloch ist geöffnet. Der Roheisenabstich läuft.

Das Eisen fließt über die Abstichrinne durch den Fuchs, siehe Markierung * und Nr. 9

Ein Sandzug auf der Fahrt nach Lengede. Im Bildvordergrund ein Schlackenzug zur ISV.

 

 

 

Einzelne Anschlüsse zwischen Heißwindringleitung * und Blasform