„Glück Auf“
Die Vergangenheit hat eine lange Zukunft
Willkommen auf dem Industriepfad
Sie stehen an Station 19 “Das Kraftwerk“ des vom Förderverein Haus der Geschichte – Ilseder Hütte e.V. in den Jahren 2004 – 2006 geschaffenen Industriepfades. Der Industriepfad informiert Sie auf 25 Stationen auf dem Gelände der Ilseder Hütte AG, die hier in den Jahren 1860 – 1983 ein Hochofenwerk mit verschiedenen Nebenbetrieben unterhielt. Der Hochofenbetrieb wurde 1983 und die Kokerei und die Energiebetriebe als letzte der Nebenbetriebe 1995 (Werksschließung) eingestellt. An der Station 0 erhalten Sie einen Überblick über den Industriepfad mit sämtlichen Stationen.
Zur wirtschaftlichen Nutzung der Prozess-Gase des Hochofenbetriebes wurde in den Jahren 1962 bis 1964 auf dem Hochofenwerk in Ilsede ein neues Kraftwerk errichtet. Das Kraftwerk hatte die Aufgabe, den wachsenden Energiebedarf der Ilseder Hütte abzudecken und somit zunächst im Inselbetrieb die 100%ige Eigenversorgung zu sichern.
Die insgesamt 20 Dynamomaschinen der Gaszentrale, die bis zur Kraftwerksinbetriebnahme den wesentlichen Anteil an elektrischer Energie lieferten, wurden stillgelegt.
Das moderne Kraftwerk bestand aus 3 Hochdruckkesselanlagen, den Kesseln 7 – 9, mit Nebenanlagen und 3 Antriebsturbinen mit gekoppelten Generatoren. Jede Einheit hatte eine Leistung von 25 MW. Insgesamt konnten bei Volllast 85 MW elektrische Leistung in Ilsede erzeugt werden.
Die Kesselanlagen des Hochdruck-Kraftwerkes leitsteten 125 t Dampf in der Stunde mit 110 bar Druck bei einer Dampftemperatur von 520 ºC.
Die Kesselanlagen 7 und 8 waren baugleich und wurden im Wesentlichen mit gereinigtem Gichtgas (Reingas) aus dem Hochofenprozess betrieben. Eine Umstellung auf Kohlebetrieb oder auch alternativ schweres Heizöl war möglich. Der Kessel 9 war ausschließlich für den Betrieb mit Reingas konzipiert.
Für die Erzeugung von 125 t Dampf/h wurden 120.000 m³ Reingas benötigt oder bei Einsatz von Kohle 12 t Kohle, die vorab zu Kohlenstaub gemahlen werden musste.
Der erzeugte Dampf wurde über eine sogenannte Sammelschiene den baugleichen Hochdruckturbinen zugeführt. Den Turbinen war jeweils ein sogenannter Kondensator nachgeschaltet, der den entspannten Dampf wieder zu Kondensat herabkühlte. Die Kondensatoren benötigten für diesen Prozess ca. 4.000 m³ Kühlwasser in der Stunde. Große Kühltürme sorgten dafür, dass das Kühlwasser im Umlauf blieb und nur das verdunstete Wasser nachzuführen war.
Eine Gebläsemaschine zur Erzeugung von Hochofenwind konnte direkt mit 110 bar Dampf betrieben werden. Über eine Dampf-Reduzierstation wurde der Prozessdampf von 12 bar erzeugt. Der entspannte Dampf (12 bar) versorgte u. a. die Turbinen in der Dampfzentrale zur Stromerzeugung. Das gesamte Kondensat wurden anschließend gesammelt und stand dem Prozesskreislauf im Kesselhaus als Kesselspeisewasser wieder zur Verfügung.
Das Kraftwerk wurde insgesamt über mehr als 30 Jahre – von 1964 bis 1995 – betrieben und hat entscheidend zur wirtschaftlichen Energieversorgung der Ilseder Hütte und später im Gesamtkonzept der heutigen Salzgitter AG beigetragen.
Schnitt- und Grundriss des Kraftwerkes






