„Glück Auf“
Die Vergangenheit hat eine lange Zukunft
Willkommen auf dem Industriepfad
Sie stehen an Station 14 “Die Gaszentrale“ des vom Förderverein Haus der Geschichte – Ilseder Hütte e.V. in den Jahren 2004 – 2006 geschaffenen Industriepfades. Der Industriepfad informiert Sie auf 25 Stationen auf dem Gelände der Ilseder Hütte AG, die hier in den Jahren 1860 – 1983 ein Hochofenwerk mit verschiedenen Nebenbetrieben unterhielt. Der Hochofenbetrieb wurde 1983 und die Kokerei und die Energiebetriebe als letzte der Nebenbetriebe 1995 (Werksschließung) eingestellt. An der Station 0 erhalten Sie einen Überblick über den Industriepfad mit sämtlichen Stationen.
Mit der weltweiten Umstellung von Dampf- auf Elektroenergie als Antriebsenergie für industrielle Maschinenantriebe benötigte man großtechnische Anlagen zur Stromerzeugung. Nach der Inbetriebnahme der Dampfzentrale mit 4 dampfbetriebenen Dynamomaschinen im Jahre 1899 baute die Ilseder Hütte die Gaszentrale mit letztlich 20 gasbetriebenen Dynamomaschinen.
Hier auf dem Hochofenwerk des Unternehmens stand mit dem Prozessgas aus den Hochöfen – dem Gichtgas – die erforderliche Energie für die Stromerzeugung der gesamten Produktionsbetriebe der Ilseder Hütte im Peiner Raum zur Verfügung. Die schweren Gaskolbenmaschinen wurden mit einem Gichtgas-/Luftgemisch für den Antrieb der Dynamoräder betrieben. In den Zylindern der 2- und 4-Takt-Kolbenmaschinen wurde das Gasgemisch gezündet, und die Energie aus der Explosionskraft trieb die Maschinenkolben an. Über eine Exenterwelle auf die die Kolbenstangen arbeiteten, war das Dynamorad an die Gasmaschine gekoppelt. Die heißen Abgase aus diesem Prozess wurden in sogenannte Abhitzekessel der Anlage geführt und zur Dampferzeugung genutzt.
Die einzelnen Gasmaschinen leisteten über 1.600 PS. In der Maschinenhalle standen insgesamt 20 dieser Groß-Gasmachinen. Die Gesamtanlage konnte 30 MW elektrische Energie mit einer Spannung von 10 kV erzeugen. Die Stromversorgung für alle Betriebe wurde auch von hier geregelt und abgerechnet.
Im Jahresdurchschnitt verbrauchten der Bergbau 10 %, die Stahl- und Walzwerke 75 % und das Hochofenwerk 15 % der erzeugten Energie. Nebenstehender Stromversorgungsplan aus dem Jahre 1943 zeigt die Weitläufigkeit des Versorgungsnetzes.
Die Maschinenhalle der Gaszentrale war stets außergewöhnlich „gepflegt“, Geländer waren poliert, Kunstschmiedearbeiten zierten die Treppenaufgänge. Dies war auch ein Zeichen für die Bedeutung der Anlage als Energieerzeuger für das gesamte Unternehmen.
Die Gaszentrale arbeitete 65 Jahre und wurde 1964 von dem modernen Hochdruckkraftwerk abgelöst.





